IuM Lernwerk 7 – Informatik und Medienbildung

GAM-3 · Was tut gut, was belastet?

60 Minuten, bei 45-Minuten-Stunden mit Unterbrechung. Du unterscheidest Beobachtung, mögliche Erklärung und vorschnelles Urteil. Dein Ergebnis: eine begründete Fallbewertung; eine eigene Bewertung bleibt privat.

Fall: Zwei Abende von Kim

K1 · Dienstag. Kim spielt mit einem Freund ein kooperatives Rätselspiel. Beide lachen über eine ungewöhnliche Lösung. Am vereinbarten Speicherpunkt hören sie auf. Kim sagt danach: „Das gemeinsame Knobeln hat mir Spaß gemacht.“

K2 · Donnerstag. Kim möchte nach einem Level aufhören. Das Team fragt wiederholt nach einer weiteren Runde. Kim bleibt länger am Bildschirm als geplant und geht später als üblich ins Bett. Am Morgen fühlt Kim sich müde und hat einen verspannten Nacken.

K3 · Was wir außerdem wissen. Kim hatte an diesem Tag auch eine lange Busfahrt und eine anstrengende Klassenarbeit. Ob die Müdigkeit und die Verspannung nur mit dem Spielen zusammenhängen, wissen wir nicht. Der Text berichtet über zwei Abende, nicht über ein dauerhaftes Muster.

1 · Was lässt sich wirklich sagen? · 15 Minuten

Entscheide zuerst: Welche Aussage ist durch den Text belegt?

Lies danach das Wissensfenster und begründe deine Auswahl. Niemand beurteilt Mitschülerinnen oder Mitschüler.

Wissensfenster

Medien können Kontakte, Freude und gemeinsame Aktivitäten ermöglichen. Ihre Nutzung kann auch belasten: zum Beispiel durch ständige Unterbrechungen, fehlende Erholung, langes Sitzen oder ungünstige Haltung. Psychisch betrifft etwa Stimmung, Druck und Aufmerksamkeit. Physisch betrifft den Körper, etwa Bewegung, Nacken oder Schlaf. Beides kann zusammenhängen.

Ein Text kann Hinweise liefern, aber selten die einzige Ursache beweisen. Frage nach Situation, Inhalt, Gestaltung und dem, was dadurch zu kurz kommt. Spielzeit allein erlaubt keine Diagnose. Eine Erkrankung festzustellen ist Aufgabe entsprechend qualifizierter Fachpersonen; ein Unterrichtsfall ist dafür keine Grundlage. Bei anhaltender Belastung darf man sich Hilfe holen, ohne zuerst ein Etikett zu finden.

Fachlicher Abgleich: gesund.bund.de: Digitale Medien gesund nutzen; zur Diagnosegrenze WHO: Gaming disorder. Eigene, stark begrenzte didaktische Zusammenfassung; kein Selbsttest.

2 · Beobachtung, Erklärung, Entscheidung · 15 Minuten

Untersuche das Beispiel gemeinsam:

Beobachtung: In K2 geht Kim später ins Bett. Mögliche Erklärung: Die zusätzliche Runde könnte Erholung verkürzt haben. Grenze: Auch der anstrengende Tag kann eine Rolle spielen. Entscheidung: Vor dem nächsten Spiel einen erreichbaren Endpunkt verabreden und danach prüfen, ob die Abmachung praktikabel war.

Schreibe jetzt einen eigenen Satz zu K1: ein möglicher positiver Zusammenhang und seine Grenze. Warum widersprechen sich K1 und K2 nicht?

3 · Dein Fallurteil und deine Denkpause · 20 Minuten

Etwa 15 Minuten Fachnotizen: Formuliere vier kurze Zeilen zu Kim.

  1. Eine mögliche positive psychische Wirkung mit Beleg.
  2. Eine mögliche psychische Belastung mit Beleg; nenne auch eine mögliche physische Belastung.
  3. Eine alternative Erklärung aus K3 und das, was sich nicht feststellen lässt.
  4. Eine begründete nächste Handlung für Kim. Erkläre, warum sie zur beobachteten Situation passt. „Einfach weniger“ ist noch keine konkrete Handlung.

Etwa 5 Minuten privat: Nutze die private Denkpause für eine harmlose schulische Medienphase, etwa Lesen am Schulgerät. Was unterstützte deine Arbeit, was hätte anders sein können, welche Änderung wäre sinnvoll? Keine privaten Nutzungsdaten, Beschwerden oder Erlebnisse abgeben. Alternativ bewerte den Schulfall auf der Seite. Bei einer Stundengrenze die privaten Notizen verdeckt weglegen.

Hilfe: Vier unterschiedliche Satzanfänge

„K1 zeigt … Das könnte …“ – „In K2 …; psychisch wäre …, körperlich …“ – „Auch … könnte beitragen. Nicht belegt ist …“ – „Als nächsten Schritt schlage ich … vor, weil …“ Mehrere begründete Vorschläge sind möglich.

4 · Sichern und die Bedingungen ändern · 10 Minuten

Prüfe dein Fallurteil an der Sicherung. Ergänze eine fehlende Grenze oder einen präziseren Handlungsschritt.

Neuer Kurzfall: Lee arbeitet an einem Schulreferat. Ständig wechseln drei Fenster, weil Lee jeden neuen Hinweis sofort lesen will. Lee ist unzufrieden mit dem unfertigen Absatz. Aufstehen und ein Getränk holen wäre möglich, wird aber aufgeschoben. Wähle eine passende Änderung und begründe sie mit zwei Fallmerkmalen. Benenne eine Beobachtung, mit der Lee später deren Nutzen prüfen könnte. Keine Diagnose stellen.